Übersetzungen

Vokabel

Übersetzung der Klausur vom 2. 10. 1998

[Text] 1. Ein (gewisser) Mensch hatte eine überaus schöne Frau und war auf sie eifersüchtig. 2. Als er in eine Stadt gehen wollte, kaufte er vor lauter Eifersucht, die er gegenüber seiner Gattin hatte, eine Elster und setzte sie in sein Schlafzimmer. 3. Er sagte ihr: "Schau und, wenn ich komme, erzähle mir alles, was geschehen ist!" 4. Die Ehefrau, die nicht wußte, daß jener Vogel sie anklagen werde, rief ihren Freund und schlief mit ihm. 5. Der Ehemann aber fragte heimlich, als er zurückgekehrt war, die Elster; diese berichtete sofort alles, was sie gesehen hatte. 6. Daher ließ der zornige Mann die Frau streng bestrafen. 7. Die Frau aber sagte zu ihrer Magd: "Warum hast du mich bekümmert, indem du meine Taten sagtest?" 8. Die Magd antwortete: "Nein Herrin, das sei fern! Nicht ich habe solches gemacht, sondern die Elster sagte es unserem Herrn." 9. In der nächsten Nacht, als der Mann wiederum weiter entfernt war, faßte die Frau mit der Magd einen Plan, die Elster zu täuschen. 10. Mit Wasser, Feuer und Lärm bewirkten sie, daß die Elster glaubte, daß ein Unwetter sich erhoben habe. 11. Als am Morgen der Mann fragte: "Hast du etwas gesehen?" antwortete die Elster: "Herr, was konnte ich sehen ? In der ganzen Nacht gab es Donner, Blitz und Regen." 12. Der Mann sagte verwundert: "Wo war ein Unwetter? Wie du das lügst, so hast du über meine Frau gelogen." 13. Als er das gesagt hatte, tötete er die Elster, gab der Frau Geschenke und söhnte sich mit ihr aus.


Übersetzung der Klausuren vom 9. 10. 1998

[Text] 1. Ein (gewisser) König hatte einen Märchenerzähler, dem er jede Nacht befahl, ihm fünf Märchen zu erzählen. 2. Schließlich ereignete es sich in einer Nacht, daß der König, der von Sorgen bekümmert nicht schlafen konnte, mehr Märchen als gewöhnlich hören wollte. 3. Als jener drei Märchen, aber kurze, erzählt hatte, verlangte der König noch mehr. 4. Als jener ablehnte, sagte der König: "Du hast schon sehr viele erzählt, aber sehr kurze; ich möchte aber, daß du eine Sache erzählst, die mit vielen Worten in die Länge gezogen wird, dann werde ich dir erlauben zu schlafen." 5. Der Märchenerzähler gab diesen Bitten nach und begann zu erzählen: 6. Es war ein (gewisser) Bauer, der 1000 Geldstücke hatte. Daher brach er in eine Stadt auf, um viele Schafe zu kaufen. 7. Als er zurückkehrte, geschah es, daß sich eine große Überschwemmung ereignete, sodaß der Fluß auf keine Weise überquert werden konnte. 8. Als er das bemerkt hatte, ging er bekümmert weg, da er suchte, wie er die Schafe hinüberführen könnte. 9. Als er schließlich ein kleines Boot entdeckt hatte, setzte er, durch die Notlage gezwungen, zwei Schafe hinein und führte sie hinüber.
10. Als der Märchenerzähler nach diesen Worten eingeschlafen war, weckte ihn der König auf und forderte ihn auf, die Geschichte zu beenden. 11. Darauf sagte der Märchenerzähler: "Jene Flut ist groß, das Boot aber klein und die Schafherde unzählbar. 12. Gestatte also dem oben erwähnten Bauern, daß er die Schafe hinüberführt und ich die Geschichte, die ich zu erzählen begonnen habe, zu Ende führe."
[Text] 1. In der Kirche war einst ein (gewisser) Schüler. 2. Als dieser einmal Verse aus dem vom Lehrer gegebenen Stoff nicht verfassen konnte und traurig dasaß, erschien der Teufel in Menschengestalt. 3. Als er fragte: "Was ist, Knabe ? Warum sitzt du traurig hier ?", antwortete ihm der Schüler: 4. "Ich fürchte meinen Lehrer, weil ich nicht Verse über das Thema, das ich von ihm erhalten habe, verfassen kann. 5. Der Teufel aber fragte ihn von List bewegt: "Willst du mir dienen, wenn ich dir Verse verfasse, die bei allen Bewunderung finden werden ?" 6. Dieser aber, der nicht bemerkt hatte, daß er der Teufel ist, antwortete: 7. "Ich bin bereit, alles zu tun, was du befiehlst, wenn ich nur jene Verse habe und den Schlägen entgehe, die uns der Lehrer geben wird." 8. Danach, als er die Verse gedichtet hatte, verschwand der Teufel. 9. Als der Schüler diese Verse seinem Lehrer gegeben hatte, bewunderte dieser die Pracht der Verse, erstarrte und sagte: "Sag mir, wer hat dir diese Verse gedichtet?" 10. Zunächst antwortete der Knabe: "Ich, Herr Lehrer." 11. Als der Lehrer aber nicht glaubte und die Frage öfter wiederholte, gestand der Knabe schließlich alles. 12. Dann sagte ihm der Lehrer: "Sohn, jener Dichter, von dem dir so geholfen wurde, war sicherlich der Teufel. Liebster, hüte dich immer vor jenem Verführer und seinen Werken." 13. Danach verließ der Schüler den Teufel und seine Werke.

Übersetzung der Klausuren vom 18. 6. 1999

[Text] 1. Ein (gewisser) junger Mann war von Piraten gefangen worden; er schrieb seinem Vater, daß er ihn befreien sollte. 2. Aber der Vater wollte ihn nicht befreien, weil der junge Mann durch die lange Zeit im Gefängnis entkräftet war. 3. Da der Anführer der Piraten eine schöne Tochter hatte, besuchte sie öfter den Eingekerkerten und tröstete ihn. 4. Eines Tages geschah es, daß, als ihn das Mädchen besuchte, der junge Mann ihr sagte: "O gutes Mädchen, wenn du dich doch für meine Befreiung bemühen wolltest! 5. Sie antwortete: "Wie werde ich das tun können ? 6. Dein Vater will dich nicht befreien; ich aber, wo ich dir doch fremd bin, wie könnte ich daran denken ? 7. Und wenn ich dich befreite, würde ich bei meinem Vater Anstoß erregen, weil er das Lösegeld für dich verlieren würde. 8. Aber, gestatte mir einen Wunsch, und ich werde dich befreien." 9. Er sagte: "Verlange von mir, was dir gefällt ! Wenn es möglich ist, werde ich es gestatten." 10. Aber sie sagte: "Ich bitte um nichts anderes, als daß du mich zur gegebenen Zeit zur Frau nimmst." 11. Er antwortete: "Das verspreche ich dir fest."
12. Sofort befreite ihn das Mädchen ohne Wissen des Vaters und floh mit ihm in seine Heimat. 13. Als sie aber zum Vater gekommen waren, freute der sich zunächst über die Ankunft seines Sohnes, aber als er über die Ehe benachrichtigt worden war, wollte er von Zorn erregt seinen Sohn enterben, aber durch die Argumente des Mädchens überzeugt, gestattete er schließlich, daß der Sohn sie heiratet.


[Text] 1. Als ein (gewisser) reicher Vater seinen von Piraten gefangenen Sohn nicht befreien wollte, konnte er, von der Tochter des Anführers der Piraten unterstützt, entkommen. 2. Denn er hatte ihr die Ehe versprochen, damit sie ihn befreit. 3. Nachdem beide zum Vater des jungen Mannes gekommen waren, freute sich der Vater zunächst über die Ankunft seines Sohnes, aber als er gehört hatte, daß er das Mädchen heiraten werde, wollte er ihn enterben. 4. Aber der Sohn sagte: "Vater, was tust du ? Als ich in der Gewalt des Feindes gefangen war, schrieb ich dir um meine Befreiung, und du wolltest mich nicht befreien. 5. Sie aber, weil sie mich nicht nur aus dem Gefängnis, sondern aus der Lebensgefahr befreite, will ich zur Frau nehmen." 6. Der Vater antwortete ihm: "Vertraue diesem Mädchen nicht , weil sie ihren eigenen Vater betrogen hat, als sie dich ohne sein Wissen befreite." 7. Als aber das Mädchen die Argumente des Vaters gehört hatte, sagte sie: "Daß du sagst, ich hätte meinen Vater betrogen, ist nicht wahr. 8. Jener wird betrogen, wer in irgendeinem Gut beeinträchtigt wird. 9. Aber mein Vater ist so reich, daß er niemandes Hilfe bedarf. 10. Also bewegte mich allein Mitgefühl, daß ich ihn befreite."
11. Als der Vater das hörte, konnte er nicht weiter Vorwürfe machen. 12. Als er zugestimmt hatte, nahm der Sohn sie in einer großen Feier zur Frau und beendete sein Leben in Frieden.

Übersetzung der Klausuren vom 25. 6. 1999

[Text] 1. Etwas Seltsames geschah in einer Stadt Deutschlands. 2. Die Geschichte verhält sich so: Die Bewohner dieser Stadt wurden von einer gewaltigen Menge an Ratten geplagt. 3. Als sich das Unheil sosehr vergrößerte, daß fast nichts gefunden wurde, was nicht zernagt worden ist, da erschien plötzlich ein Mann, der zuvor noch nie gesehen wurde. 4. Er versprach, daß er alle Ratten beseitigen werde, wenn sie nur über eine bestimmte Geldsumme mit ihm übereinkämen. 5. Gesagt, getan. 6. Als der Lohn versprochen war, zog der Mann aus dem Ranzen, den er um die Schulter geworfen hatte, eine Flöte heraus. 7. Sobald er darauf spielte, da folgt eine gewaltige Menge an Ratten jenem ungewohnten Ton bis zum Fluß. 8. Dort gehen alle unter. 9. Nachdem der Mann den Zaubergesang beendet hatte, verlangt er den vereinbarten Lohn. 10. Aber als die Bürger über die versprochene Summe Ausflüchte suchten, fuhr er sie mit drohenden Worten an, daß, wenn sie den Lohn nicht gäben, er einen anderen, viel höheren Lohn verlangen werde. 11. Die Drohungen wurden mit Gelächter aufgenommen. 12. Am nächsten Tag aber erschien gegen Mittag der Mann erneut, in Gestalt eines Jägers, mit furchterregender Miene. 13. Sobald er auf der Flöte spielte, da folgten alle Kinder der ganzen Stadt dem wunderbaren Ton. 14. Es befindet sich aber außerhalb der Stadt in einem Berg eine Höhle: in diese führte der Jäger alle Kinder mit sich. 15. Und keines der Kinder kam je wieder zum Vorschein noch wurde nachher je erfahren, was mit den Kindern geschehen ist.


[Text] 1. Ein König erfreute sich am Fleiß vieler Künstler. 2. Einst war unter anderen ein Leierspieler da, der sagte: "Ich habe diese Kunstfertigkeit, daß ich Menschen in beliebige Affekte versetzen kann. 3. Aus traurigen Menschen kann ich fröhliche machen, aus fröhlichen traurige, aus empörten sanfte, aus sanften solche, die sich empören und bis zum Wahnsinn verrückt sind." 4. Und mit diesen Worten machte er den König neugieriger es zu versuchen. 5. Und schon bereute der Künstler seine Prahlerei, weil er meinte, dies an einem König zu versuchen, sei nicht ohne Gefahr. 6. Daher bat er die Umstehenden, daß sie den König von diesem Wunsch abbringen; aber er erreichte nichts. 7. Sobald er sah, daß er nicht entkommen werde, befahl er alle Waffen hinauszutragen. 8. Danach kümmerte er sich darum, daß einige außerhalb des Klanges der Leier stehen, die zu ihm gerufen werden könnten. 9. Als alles schon ordnungsgemäß eingerichtet war, ließ er die Leier erklingen. 10. Zunächst flößte er den Zuhörern mit ernstem Ton eine Art von Trauer ein, danach wandte er sie zur Freude, sodaß sie beinahe tanzten. 11. Dann erregte er eine Art von Empörung. 12. Als diese stärker wurde, begann der König zu wüten. 13. Bald danach gab der Leierspieler den Verborgenen ein Zeichen, daß sie hineingehen und den schon wütenden König in Schranken weisen. 14. Aber die Kraft des Mannes war so groß, daß er einige mit einem Faustschlag niederstreckte. 15. Als er aber schon zur Besinnung gekommen war, bedauerte er sehr, daß er gegen die gewütet hatte, die er zuvor als die Treuesten hatte.
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